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Geschichte des Sprachenzentrums

Es folgt eine kurze Übersicht über die Entstehung des heutigen Sprachenzentrums, wir hoffen, Ihnen später mehr Informationen zu kommen zu lassen.

Gründung

Das Sprachenzentrum der Universität Erlangen-Nürnberg wurde 1969 als erstes Sprachenzentrum - als erste Institution dieses Namens und erstes einer ganzen Serie von Instituten mit vergleichbaren Zielsetzungen - in der Bundesrepublik gegründet. Pate standen bei seiner Gründung nur ausländische Vorbilder. Der Plan zur Errichtung des Sprachenzentrums bestand in Erlangen bereits seit 1964. Das tatsächliche Gründungsdatum liegt noch vor den "Empfehlungen zur Struktur und zum Ausbau des Bildungswesens im Hochschulbetrieb nach 1970", in denen der Wissenschaftsrat sich mit einer Neuordnung der Fremdsprachenausbildung beschäftigt und dabei rät, hochschuleigene Fremdspracheninstitute in Form zentraler Sprachlehrinstitute einzurichten.

Ürsprüngliche Planung und tatsächliche Entwicklung

Die Planung vor und bei Gründung des Sprachenzentrums sah einen Aufbau in drei Phasen vor, nämlich:

• Phase I (zwei Jahre): nur sprachpraktische Ausbildung in neuphilologischen Fächern

• Phase II: zusätzlicher Ausbau von Sprachunterricht für Hörer aller Fakultäten und Einrichtung von Deutschkursen für Ausländer,

• Phase III (frühestens 1971 beginnend): Einrichtung einer Abteilung "Dolmetschen und Übersetzen"

Die Geschichte des Sprachenzentrums verlief jedoch nicht annähernd nach diesem Plan, sie verlief nicht als Geschichte eines konsequenten Ausbaus von Aufgaben-gebieten, sondern nach einem Kurs, der vorwiegend von den Pendelausschlägen in der Diskussion folgender Fragen bestimmt war:

a) Stellenwert anderer Aufgaben als der sprachpraktischen Ausbildung in neuphilologischen Fächern,

b) Institutionalisierungsform zwischen den Polen interfakultative Einrichtung und völlige Auflösung mit Verteilung der Substanz an die neuphilologischen Institute,

c) Leitungsstrukturen.

Was a. betrifft, so herrschte offensichtlich bereits zur Gründungszeit kein hinreichender Konsens innerhalb der jeweiligen Leitungsstrukturen. Tatsächlich spielte der Fremdsprachenunterricht für Hörer aller Fachbereiche eine absolut untergeordnete Rolle neben der Hauptaufgabe des Sprachunterrichtes im Rahmen der Lehrerausbildungsstudiengänge. Seit der Mitte der siebziger Jahre stieg zwar die Zahl der Sprachkursteilnehmer aus nicht philologischen Fächern konstant an. Sie überfüllten jedoch vor allem Kurse in den Unterstufenprogrammen der jeweiligen Philologien, in denen sie teilweise (etwa in Spanisch) die Mehrzahl der Hörer bildeten. Die Ausbringung eigener Kurse für Hörer aller Fachrichtungen war großenteils nicht möglich, teils weil solche im Gegensatz zu den Kursen für Philologiestudenten nicht von irgendeiner Studien- oder Prüfungsordnung her "obligatorisch" gewesen wären, teils weil das für den Fremdsprachenunterricht eingesetzte Lehrpersonal zu einem hohen Anteil gar nicht dem Sprachenzentrum, sondern philologischen Instituten angehörte, die sich zu Zeiten des Lehrerbildungsbooms völlig außerstande sahen, ursprünglich für die Lehramtsstudiengänge bestimmte Lehrkapazität zu Lasten dieser Studiengänge für neue nicht hinreichend definierte Aufgaben abzuzweigen. Immerhin wurden im Laufe der Zeit einige "fachsprachliche" Kurse für Hörer aller Fachbereiche eingerichtet. Aber auch ihnen lag kein übergreifendes Konzept und kein über ein Semester hinausreichendes Programm zugrunde. Was schließlich die Planungsphase III betrifft, so wurden dahingehende Ideen nie mehr ernsthaft weiterverfolgt.

So erscheint im Nachhinein die Geschichte des Sprachenzentrums auch nicht als kontinuierlicher Ausbau von Aufgabenbereichen, sondern als Ringen um die geeignete Organisationsform, das sich im Rückblick als kurzatmige Abfolge von Kompromißlö-sungen, Provisorien und im Ansatz steckengebliebenen Entwicklungen darstellt.

Anstelle der drei Planungsphasen zeichnen sich fünf tatsächliche Organisationsphasen ab, drei Hauptphasen und zwei Übergangsphasen:

• Phase I: das Sprachenzentrum als interfakultatives Institut,

• Phase II: Übergangsphase,

• Phase III: das Institut für Angewandte Linguistik mit Sprachenzentrum,

• Phase IV: Übergangsphase,

• Phase V: das Sprachenzentrum einer Fakultät im Dienste der gesamten Universität.

Interfakultatives Institut

Seinen Betrieb nahm das Sprachenzentrum im Sommersemester 1969 auf. Als interfakultatives Institut wurde es am 5.8.1969 von Ministerium für Unterricht und Kultur des Freistaates errichtet, nachdem ein Beschluß des akademischen Senats der Universität vom 20.5.1969 seine Zuordnung zur Philosophischen Fakultät vorgesehen hatte. Als Aufgabe wird bei der Errichtung als interfakultatives Zentrum ausdrücklich festgelegt, die Studierenden der philologischen Studiengänge und die Studierenden aller Fachrichtungen im Gebrauch moderner Fremdsprachen auszubilden. Tatsächlich erbringt das Sprachenzentrum aus eigener Personalkapazität in dieser Phase nur Unterricht im Bereich des Englischen, der romanischen Sprachen und des Deutschen als Fremdsprache, wobei es im Bereich der Anglistik und der Romanistik zu einem Zusammenwirken zwischen dem Lehrpersonal der philologischen Institute und dem des Sprachenzentrums nicht nur im Rahmen der jeweiligen Gesamtstudiengänge, sondern auch der per Verantwortungszuweisung für das Sprachenzentrum spezifischen Aufgaben kommt.

Die Leitungsstruktur umfaßt in jener Phase drei Komponenten, deren jeweilige Rolle und deren Verhältnis zueinander nie hinreichend definiert werden (eine Geschäftsordnung ist nur geplant). Die drei Komponenten sind:

a) Direktorium,

b) Vorstand mit Geschäftsführendem Vorstand,

c) Leiter.

Das Direktorium besteht aus sechs Personen, fünf Lehrstuhlinhabern philologischer Fächer der Philosophischen Fakultät in Erlangen und dem Inhaber eines Lehrstuhls für Romanische Sprachen und Auslandskunde der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät in Nürnberg. Die Aufgaben- und Kompetenzverteilung zwischen Direktorium und Vorstand ist in der Praxis schwer zu erkennen. Geschäftsführender Vorstand ist das einzige nicht der Philosophischen Fakultät angehörende Direktoriumsmitglied. Vage bleibt auch die Kompetenzabgrenzung des Leiters, dessen Stelle (HS 2) vorerst unterbesetzt blieb. Von seiner Leitungsstruktur her ist das Sprachenzentrum in seiner interfakultativen Phase also genausowenig interfakultativ wie von den tatsächlich wahrgenommenen Aufgaben her. Die vom Kultusministerium vorgesehene stärkere Beteiligung von Vertretern anderer Fakultäten als der Philosophischen Fakultät findet nicht statt. Als zum 1.1.1971 der erste Geschäftsführende Vorstand sein Amt niederlegt, endet de facto der interfakultative Ansatz des Sprachenzentrums.

Neue Strukturen

Erste Übergangsphase: auf der Suche nach neuen Strukturen und einem Leiter

Die Jahre 1971 und 1974 sind vor allem vom Ringen um neue Strukturen geprägt. Dies drückt sich einerseits in der Diskussion von Geschäftsordnungsentwürfen aus und andererseits in dem Bestreben, die Funktion des Leiters des Sprachenzentrums auszubauen und klarer zu definieren sowie das entsprechende Amt adäquat zu besetzen. Der erste Entwurf für eine Geschäftsordnung wird im Juli 1971 vorgelegt. Zu einer offiziellen Neustrukturierung kommt es aber erst im Oktober 1974 nach Inkrafttreten des Bayerischen Hochschulgesetzes und im Zusammenhang mit der Besetzung der Stelle eines Leiters, nachdem seit Dezember 1971 eine Senatskommission, ein Senatsbeauftragter und ein kommissarischer Leiter Verantwortung für das Sprachenzentrum getragen haben. Eine Möglichkeit, vorhandene Probleme zu beseitigen, sieht man zu dieser Zeit in der Anhebung der Leiterstelle (bis zu HS 4) und der Schaffung eines Lehrstuhls Angewandte Linguistik für den Inhaber dieser Stelle. Der Lehrstuhl wird dann im Herbst 1973 noch vor der endgültigen Klärung der Strukturfrage besetzt. Ein Jahr später wird der Lehrstuhlinhaber zum Leiter des Sprachenzentrums bestellt.

Institut für Angewandte Linguistik mit Sprachenzentrum

Nach ausführlicher Diskussion der Frage einer Neuerrichtung des Sprachenzentrums als Zentralinstitut kommt es also im Herbst 1974 zu einer Unterstellung einer Einheit "Institut für Angewandte Linguistik mit Sprachenzentrum" unter die Philosophische Fakultät II (Sprach- und Literaturwissenschaften). Die Leitungsstruktur hat sich erheblich vereinfacht. Neben der Funktion des Leiters bestehen keine weiteren Leitungsämter und -gremien mehr. Nicht bereinigt werden andere Strukturfragen. So erfolgt das Angebot an sprachpraktischem Unterricht weiterhin aus Lehrkapazität sowohl des Sprachenzentrums wie der neuphilologischen Institute, die über die Personalstruktur de facto in Sachfragen mitbestimmen. Der Unterricht wird aus drei Kategorien von Stellen bestritten: erstens Stellen des Sprachenzentrums, zweitens Stellen der neuphilologischen Institute und drittens Stellen der neuphilologischen Institute, die über einen sogenannten Stellenvermerk dem Sprachenzentrum zur Verfügung gestellt werden. Manche Stellen sind nur teilweise dem Sprachenzentrum zugeordnet, zu einem anderen Teil verbleiben sie im Verantwortungsbereich der anderen Institute. Zu einem weiterem Ausbau sprachenzentrumsspezifischer Aufgaben kommt es nicht. Der Sprachunterricht für Hörer aller Fachrichtungen erhält keine Aufwertung. Hingegen kommt es teilweise zu einer Verschiebung der Gewichte zwischen Sprachenzentrum und Institut für Ange-wandte Linguistik. Das Sprachenzentrum, für das der Lehrstuhl eingerichtet worden ist, wird gewissermaßen zu einem Annex des Lehrstuhls, dem die Leitung des Sprachenzentrums obliegt.

Zweite Übergangsphase: erneutes Ringen um Leitungsstrukturen

Auch die ab 1974 herrschenden Verhältnisse werden sehr schnell sowohl innerhalb wie außerhalb des Sprachenzentrums wieder als unbefriedigend empfunden. Als dann bereits 1977 die Stelle des Leiters des Sprachenzentrums und Inhabers des Lehrstuhls für Angewandte Linguistik vakant wird, steht erneut die gesamte 0rganisation des Sprachenzentrums zur Debatte. Das Interim, während dessen das Sprachenzentrum kommissarisch geleitet wird, dauert bis 1981/82. Ab 1980 bahnt sich nach längerem Ringen folgende Lösung an: Sprachenzentrum und Institut für Angewandte Linguistik, nunmehr in Institut für Angewandte Sprachwissenschaft umbenannt, werden in zwei selbständige Betriebseinheiten aufgeteilt (1981). Das Sprachenzentrum wird weder aufgelöst noch erneut in eine zentrale Betriebseinheit umgewandelt, sondern bleibt der Philosophischen Fakultät II unterstellt. Die neu geschaffenen Leitungsstrukturen werden 1981 bis 1983 personell ausgefüllt.

Danksagung

Ein großer Dank gebührt Herrn Prof. Dr. Reinhold Werner, aus dessen Feder der Text stammt.


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